AI in Design Report 2026
Einmal im Jahr vermessen Designer Fund und Foundation Capital, wie KI die Designarbeit verändert. Für den AI in Design Report 2026 haben sie 906 Designer*innen aus über 60 Ländern befragt und mehr als zwanzig Interviews mit Design-Leads geführt. Es ist die bisher deutlichste Ausgabe — und, das vorweg, eine erstaunlich optimistische.
Die Zahlen erzählen nämlich keinen Verdrängungs-Thriller. Sie erzählen von einem Berufsstand, der sich neue Werkzeuge erarbeitet und dabei Spielraum gewinnt: 53 Prozent sagen, KI habe ihr Verhältnis zur Arbeit positiv verändert. Vier Learnings stechen heraus.
01 — Aus dem Experiment ist Alltag geworden
91 Prozent nutzen KI mindestens wöchentlich, drei von vier täglich. Vor einem Jahr war es gerade gut die Hälfte.
Der Werkzeugkasten wächst mit: im Schnitt sieben KI-Tools pro Person, mehr als doppelt so viele wie 2025. Und an der Spitze hat sich etwas verschoben — das meistgenutzte KI-Werkzeug dieser Gruppe heißt inzwischen Claude.
02 — Designer*innen shippen
Die Hälfte der Befragten hat KI-generierten Code in Produktion gebracht. Nicht nur Design Engineers — Produkt- und Brand-Designer*innen. 76 Prozent arbeiten mit Coding-Tools wie Claude Code oder Cursor, und 43 Prozent sagen, ihr Unternehmen erwarte inzwischen funktionierende Prototypen statt statischer Mockups.
Der Screenshot als Deliverable ist auf dem Rückzug. Was zählt, ist das, was sich klicken lässt.
03 — Der eigene Maßstab bleibt das Maß
Das größte Hindernis laut Report: unzuverlässige Output-Qualität, von 62 Prozent genannt. Die Antwort darauf ist keine bessere Maschine, sondern eine alte Stärke — 80 Prozent verlassen sich auf den eigenen Qualitätsmaßstab, nicht auf den der KI. Geschmack, Urteil und Nutzerverständnis nennt der Report als die Fähigkeiten, die jetzt am meisten zählen.
Falls dir das bekannt vorkommt: Es ist dieselbe Lücke, um die es hier schon einmal ging. Schön, sie jetzt beziffert zu sehen.
04 — Gelernt wird nebenan
70 Prozent lernen ihre KI-Praxis von Kolleg*innen — vor einem Jahr waren es 24. Drei Viertel ziehen ihr Wissen aus Newslettern und Communities. Nur 16 Prozent warten auf Empfehlungen von oben, halb so viele wie im Vorjahr.
Die Transformation ist keine Top-down-Initiative. Sie passiert an den Schreibtischen — und die Unternehmen lassen sie zu: 87 Prozent unterstützen KI-Adoption mindestens moderat, mehr als die Hälfte aktiv mit Budget und Programmen.
Was bleibt
Natürlich verschiebt sich dabei Arbeit. 65 Prozent übernehmen mehr Produkt- und Engineering-Aufgaben, Rollen verschwimmen, 73 Prozent spüren steigende Erwartungen. Der Report verschweigt das nicht. Aber seine Grundmelodie ist Zuversicht: Designer*innen, die selbst bauen, fühlen sich doppelt so oft kreativer und fähiger als vorher.
Ich lese den Report auch als leise Bestätigung der eigenen Arbeitsweise — nicht, weil ich das alles hätte kommen sehen, sondern weil sich das, was sich hier im Alltag bewährt, jetzt mit den Erfahrungen von 906 Kolleg*innen deckt. Ein besseres Argument fürs Weitermachen gibt es kaum.


