05 Aug 2026

Die Prompts, die diese Seite gebaut haben

Diese Seite ist im Dialog mit KI entstanden. Komplett. Seitdem kommt verlässlich dieselbe Frage: „Zeig mal die Prompts." Dahinter steckt die Hoffnung auf eine Formel. Ein paar Zauberwörter, richtig kombiniert, und die Maschine baut dir ein Portfolio.

Hier sind die Prompts. Und die Entwürfe, die sie gekostet haben. Vorwarnung: Die Zauberwörter werden dich enttäuschen. Und die Geschichte beginnt früher, als die meisten denken.

Vor dem ersten Pixel

Die ganze Seite ist in einer Woche entstanden. Umso wichtiger war, womit sie nicht begann: mit Pixeln. Am Anfang standen nur Fragen. Wer kommt auf diese Seite? Warum? Was soll passieren? Die Antworten stehen bis heute im Repo, als versionierte Markdown-Dokumente: eines für die Positionierung, eines für Personas, User Flows und Sitemap. Jede Phase hatte ein Gate, das die nächste freischaltet, und im Projektdokument stand der Satz, der alles diszipliniert hat: Code kommt erst in Phase 4. Nicht vorher.

Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit klingt banal und hat doch jede spätere Entscheidung geprägt: Der Traffic hier ist warm. Wer kommt, kommt über Empfehlung oder LinkedIn und kennt meinen Namen schon. Die Seite muss nichts erklären — sie muss in zwanzig Sekunden bestätigen, dass der Eindruck stimmt. Ein einziger Conversion-Pfad, keine Umwege. Als es später um Farben, Heros und Animationen ging, war das der Maßstab, an dem alles gemessen wurde.

Kein CMS, kein Baukasten

Der Technik-Plan sah zuerst klassisch aus: Sanity als CMS, Mux fürs Video-Streaming, Framer Motion für die Animationen. Beim Bauen flog das raus, Stück für Stück. Nicht aus Prinzip — aus Erfahrung: Jedes bewegliche Teil will gewartet werden, und ein Portfolio ist kein SaaS. Die Systemfrage selbst? Zwei Nachrichten:

So, ich glaube, ich bin erstmal zufrieden mit meinem Design. Kannst du mal prüfen, was wir jetzt dafür brauchen? Speziell Discord oder Telegram. E-Mail, Journal. Vercel?

Telegram. Markdown erstmal okay. Repo anlegen, ja.

Geblieben ist Next.js 15 mit Tailwind v4, jede Seite statisch vorgerendert. Das Journal, das du gerade liest, ist ein Ordner Markdown-Dateien im Repo. Die Videos liegen lokal. Die Motion ist handgeschriebene Scroll-Choreografie pro Sektion. Und der Chat oben auf der Startseite redet über die Telegram-API direkt mit meinem Handy. Der eigentliche Gewinn: Alles liegt in einem Repository — Inhalte, Designregeln, Code. Versioniert, durchsuchbar, von Menschen und Maschinen lesbar. Es gibt kein Backend, in dem etwas veralten kann.

„Ich finde alle drei fürchterlich"

Echter Prompt, Wort für Wort. Die KI hatte drei Moodboards gebaut. Ordentlich. Fleißig. Austauschbar. Meine Antwort: ein Satz Ablehnung.

Hat funktioniert. Besser als jede technische Anweisung davor. Ab da war die Richtung klar: nicht das. Die Maschine liefert unendlich viele Varianten. Welche sich nach mir anfühlt, weiß sie nicht. Das ist mein Job.

Referenzen statt Adjektive

Danach: Schluss mit Stimmungen beschreiben. Links schicken. Immer mit einem Satz dazu, was mich interessiert. Wie eine Seite ihre Geschichte erzählt. Die Wärme und die persönliche Note einer anderen. Ein Hero, der echtes Foto und KI-Bild ineinanderschiebt.

Das war der Wendepunkt. Eine Referenz plus ein Satz, warum sie zählt, schlägt jede Adjektivliste. „Warm, aber professionell" kann alles bedeuten. „Schau, wie diese Seite mit dir spricht" bedeutet genau eine Sache.

Der erste Entwurf

Daraus wurde Version eins. Schwarz-weiß, harte Typo, mein Gesicht hinter drei Wörtern.

Erster Entwurf der Startseite im MacBook: Schwarz-weiß, große Typografie, Porträt hinter den Wörtern Marke, Produkt, Haltung
Version eins. Sah nach Studio aus, nicht nach mir. Aber endlich etwas zum Dagegen-Sein.

Meine Review-Notizen aus dieser Phase, wörtlich aus dem Protokoll — nur die Rechtschreibung ist repariert:

Das sieht alles nicht so gut aus.

Fürchterlicher KI-Standard. Inhaltlich hört es sich an, als wäre ich ein alter Mann, der früher mal tolle Sachen gemacht hat. Das sieht aus wie ein WordPress-Free-Template. Schrott.

Gefallen hat sie mir nie. Zu kühl. Zu viel Pose. Zu wenig ich. Trotzdem der wichtigste Entwurf des Projekts: Endlich lag etwas Konkretes auf dem Tisch. Etwas zum Dagegen-Sein. „Stop. Das wird so nichts" funktioniert erst, wenn es etwas zum Stoppen gibt.

Ein Gespräch statt eines Heros

Irgendwann war klar, was mich an Portfolio-Startseiten stört: Sie halten Monologe. Also andersherum. Die Seite redet nicht über mich. Sie fängt ein Gespräch an. Ein Chat als Hero, so niederschwellig wie möglich. Die erste Nachricht landet wirklich bei mir.

Der Hero der fertigen Seite im MacBook: Chatfenster mit Begrüßung und Eingabefeld neben dem Porträt
Die Kernidee der Seite: kein Claim, ein Gesprächsanfang. Das Eingabefeld funktioniert wirklich.

Bis heute meine Lieblingsidee. Kam nicht von der Maschine. Kam aus der Frage, wofür die Seite überhaupt da ist: damit wir ins Reden kommen. Den Begrüßungstext habe ich selbst geschrieben. Die KI hat gebaut, übersetzt, verfeinert. So herum wird ein Werkzeug daraus.

Eine Vita, vier Anläufe

Kein Element hat mehr Iterationen gefressen. Anlauf eins, meine Idee, mein Prompt: „eine Art Treppe mit runden Ecken, die sich horizontal durchscrollen lässt und aufbaut."

Vita als ansteigende Treppe aus moosgrünen Stufen im MacBook, eine Stufe aufgeklappt
Anlauf eins: die Vita als Treppe. Meine Idee, sauber gebaut. Und dann doch zu brav.

Zu brav. Also nachgelegt, ebenfalls wörtlich: „Du sollst als Outstanding Graphic Designer agieren und ein in sich verschmelzendes, boldes, bestimmtes, ikonisches Design abliefern. Alles muss aussehen wie von einem Designer gemacht und nicht von einem Entwickler." Dann: eine monolithische Treppe. Ein Akkordeon. Ein Karussell. Ein „Hau mich um mit tollem Graphic Design". Nichts davon hat überlebt.

Die Jukebox ist so schrecklich geworden, dass ich sie rausgeschmissen habe. Ich habe den Vita-Text selber geschrieben.

Am Ende: Jahreszahlen gestrichen, Text selbst geschrieben. Zwei Spalten, ein Foto von 2003 daneben. Fertig.

Finale Vita im MacBook: editorial gesetzter Text unter der Headline Geboren auf einem Berg
Der letzte Anlauf gewann: Jahreszahlen raus, Text von Hand, Ruhe rein.

Vier Anläufe. Vier funktionierende Features. Drei gelöscht. Klingt nach Verschwendung, ist das Gegenteil: Jeder Anlauf hat präzisiert, was die Vita nicht sein soll. Und weil die Maschine in Minuten liefert, kann ich mir vier Anläufe überhaupt leisten.

Die kleinsten Prompts

Endphase. Meine häufigsten Prompts: ein Wort. „Weg." „Das kann raus." „Etwas größer." Kuratieren statt Diktieren.

Und wenn es doch länger wurde, dann als Bild: „Bei Hover läuft eine Welle von links nach rechts durch die Buchstaben. Jeder Buchstabe vergrößert sich kurz und federt zurück — wie eine Klaviertaste, die gedrückt wird."

Der Klaviertasten-Prompt, live. Genau so läuft er drüben bei den Leistungen — dort beim Drüberfahren.

„Mach es moderner" ist kein Prompt. Das ist ein Seufzer. Eine Klaviertaste, die zurückfedert, kann man bauen.

Drei Sessions gleichzeitig

Die Seite entsteht auch jetzt nicht in einem Chat. Das Design wurde in Claude Design iteriert und als eingefrorene Referenz ins Repo gelegt; gebaut wird in Claude Code. Und seit das Fundament steht, laufen mehrere Sessions parallel: Eine baut den Audi-Case aus, eine schreibt am Journal, eine schleift an Logo und Startseite. Damit das nicht auseinanderläuft, lesen alle beim Start denselben Stand — die Roadmap im Repo beginnt wörtlich mit: „Neue Session? Erst das hier lesen." Jeder Schritt wird einzeln committet. Die Git-History ist das Gedächtnis des Projekts.

Das klingt nach Overkill für ein Portfolio, und genau das ist der Punkt: Es ist ein Probelauf. So orchestriert sich auch ein Produktteam aus KI-Sessions — gemeinsames Gedächtnis, klare Zuständigkeiten, ein Mensch, der den Takt vorgibt. Und ja, manchmal grätschen sich zwei Sessions ins Gehege. Ein Rebase zur falschen Zeit, ein kurzer Schreck im Log. Auch das gehört zur Wahrheit. Genau wie der Alltag zwischen den großen Entscheidungen:

Sehe nichts.

localhost:3000 läuft nicht.

Kann die Seite nicht erreichen. Link bitte.

Was den Unterschied macht

Nicht die einzelnen Prompts. Das Drumherum. Ein eingefrorenes Designdokument, an dem sich jede Änderung messen muss. Ein Prüf-Ritual: Nach jeder Änderung macht die KI Screenshots und kontrolliert ihre eigene Arbeit. Desktop, Mobile, reduzierte Bewegung. Und die Bereitschaft, der Maschine zu widersprechen. Immer wieder. Freundlich und bestimmt.

Prompts sind keine Zauberwörter. Sie sind Art Direction in Textform. Wer jahrelang gelernt hat, einem Team präzise zu sagen, was gut ist, was fehlt und was weg muss, redet mit KI wie mit dem besten Junior aller Zeiten: wahnsinnig schnell, wahnsinnig belesen, und beim Geschmack komplett auf Zuruf angewiesen.

Übrigens: Auch dieser Artikel hat so angefangen.

Kannst du mir einen Beispielartikel fürs Journal schreiben? Über die Prompts, die diese Seite gebaut haben.

Die ehrliche Antwort auf „Zeig mal die Prompts": Du schaust gerade auf sie. Diese Seite ist das Protokoll.

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